Sterbehilfe

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schneewittchen
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Sterbehilfe

Beitragvon schneewittchen » Fr 19. Jul 2013, 19:32

Wie steht ihr zu dem Thema Sterbehilfe? Soll der Mensch entscheiden können, wann es Zeit ist zu gehen?
Wenn ein Mensch krank ist - sterbenskrank. Aber sterben kann er nicht obwohl er es gern möchte. Es gibt nach heutigen medizinischen Erkenntnissen keine Aussicht auf Heilung. Es wird von Woche zu Woche schlechter, ok gegen die Schmerzen bekommt er Opiate aber er weiß, dass er bald sterben wird.
Darf ein Mensch sagen: "Ich will jetzt sterben!"?
Darf ein Angehöriger diesen Wunsch erfüllen? Darf ein Außenstehender diesen Wunsch erfüllen?

Ich würde mich über eure persönlichen Meinungen sehr freuen... die rechtliche Grundlage kenn ich zur Genüge!!!
Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

Riku

Re: Sterbehilfe

Beitragvon Riku » Sa 20. Jul 2013, 10:13

Da fällt mir direkt ein Song ein:
Dieser sagt eigentlich alles aus.

Sterbehilfe sollte legitimiert werden, da jeder das Recht haben sollte, über sich selbst entscheiden zu können - in allen Hinsichten, solange er geistig zurechnungsfähig ist. Ebenso gehört es sich nicht Personen gegen ihren Willen zu etwas zu zwingen, das sie gar nicht wollen - sie in gewisse Einrichtungen zu sperren, solange keine Gefährdung anderer vorliegt. Ein krasses Beispiel wäre Suizidabsicht - Menschen, die genug vom Leben haben, tendieren dazu, es selbst beenden zu wollen. Die einen meinen: "Oh nein, das geht doch nicht! Wir müssen diesen Menschen helfen!", andere Leute, wie ich, meinen: "Lasst sie doch, wenn sie es wollen - solange sie keine Unschuldigen mitreißen."
Dieses Beispiel lässt sich auch super auf die Sterbehilfe beziehen.

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schneewittchen
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Re: Sterbehilfe

Beitragvon schneewittchen » Di 23. Jul 2013, 17:28

Danke für deine Antwort Riku.
Das mit den Suizidabsichten sehe ich etwas anders. Wenn sich eine Frau umbringen möchte weil sie z.B. vergewaltigt wurde, dann würde ich eher den Täter ...!!! Nur meine Meinung...
Aber denkst du, dass man einen anderen bitten darf das eigene Leben zu beenden? Wenn du mal angenommen deinen Partner bittest, dir beim Sterben zu helfen. Oder wenn du von einem geliebten Menschen gebeten würdest, sein Leben zu beenden. Wie reagiert man in einer solchen Situation richtig?
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Jezebel
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Re: Sterbehilfe

Beitragvon Jezebel » Di 23. Jul 2013, 20:58

Das Thema Sterbehilfe ist ein schwieriges Problem. Bei Tieren, da gibt es die Einschläferung. Wir Menschen müssen uns manchmal lange quälen. Selbst eine Patientenverfügung (mein Mann und ich haben inzwischen auch so etwas) gibt da nur bedingt Sicherheit. Vieles ist Auslegungssache, wenn man das nicht wirklich genau ausfüllt...

Meine Eltern litten beide die letzten zwei/drei Jahre an Demenz - bei beiden fing das ungefähr mit 78 an (mein Vater war 10 Jahre älter als meine Mutter). Da kann man noch gar nichts machen - und das ist grausam!

Wenn man das mit angesehen hat, das vergisst man nie wieder - und man kann nicht wirklich helfen.

Meine Schwester ist am 1. Mai diesen Jahres an Blasenkrebs gestorben ( sie war 55). Was wirklich in ihr vorging- sie war immer ein sehr verschlossener Mensch - und sehr katholisch. Sie war für ihre Situation sehr gefasst, obwohl sie sehr leiden musste. Vielleicht hat ihr Glaube ihr Kraft gegeben. Für mich schwer nachzuvollziehen, weil ich bei dem ganzen Leid auf der Welt nicht mehr an Gott glauben kann, sondern mehr das Gegenteil vermute.
Einzig und allein in der Musik - und in der Liebe und Sexualität finde ich Geborgenheit und Kraft - (vielleicht ja doch was Göttliches??).

Nehmen wir mal an es wäre gesetzlich erlaubt das auch wir Menschen eingeschläfert werden dürften. Könnte das vielleicht auch mißbraucht werden? Wäre dann das Leiden überhaupt vorbei? Oder werden wir vielleicht wieder geboren?
Gibt es etwas wie Karma (Ursache und Wirkung). Niemand weiß doch etwas Genaues.
Die ganze Thematik ist und bleibt einfach kompliziert...

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Distanzobjekt
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Re: Sterbehilfe

Beitragvon Distanzobjekt » Mi 24. Jul 2013, 14:09

schneewittchen hat geschrieben:Wenn sich eine Frau umbringen möchte weil sie z.B. vergewaltigt wurde, dann würde ich eher den Täter ...!!! Nur meine Meinung...
Wer kann das Maß setzten? Ist der moralische Wert nicht stetig im Wandel?

schneewittchen hat geschrieben:Aber denkst du, dass man einen anderen bitten darf das eigene Leben zu beenden?
Was spricht dagegen? Ist es der Egoismus des Sterbenden oder die Belastung des Auszuführenden? Und auch hier frage ich, wer setzt das Maß? Wird an dieser Stelle nicht ein einvernehmlicher Vertrag zwischen zwei Menschen geschlossen? Darf man sich dann noch als Dritter darüber erheben? Zeugt die Empörung jener die da außen vorstehen, nicht von fehlender Achtung vor der Entscheidungsgewalt der beiden im Vertrag stehenden Lebewesen?

schneewittchen hat geschrieben:Wenn du mal angenommen deinen Partner bittest, dir beim Sterben zu helfen. Oder wenn du von einem geliebten Menschen gebeten würdest, sein Leben zu beenden. Wie reagiert man in einer solchen Situation richtig?
Das lässt sich bedingt vieler möglichen Faktoren nicht allgemeingültig Beantworten. Charakter und Vorgeschichte sind zu individuell.

Jezebel hat geschrieben:Nehmen wir mal an es wäre gesetzlich erlaubt das auch wir Menschen eingeschläfert werden dürften. Könnte das vielleicht auch mißbraucht werden?
Jede unbeaufsichtigte Variable beinhaltet dieses Risiko. Alter, Geschlecht, Nationalität, Status und Beruf, spielen hierbei keine Rolle denn es fängt beim korrupten Politiker an, geht über Banker und hört bei der Bestechung um das letzte Brötchen auf Tisch auf, es ist also menschlich oder um es moralisch wohlwollend auszudrücken, die menschliche Unmenschlichkeit.

Moral ist im Wandel, was heute gut ist morgen böse.
1. Kunst und Schaffenskraft lässt sich genauso leicht kritisieren, wie es für den Kritiker schwer ist besseres zu leisten.
2. Nur wer Toleranz Grenzen setzt, weiß Freiheit zu schätzen.
3. Nur wer Achtung sät wird Achtung ernten.
4. Den Kopf zum denken benutzen ist keine Straftat.

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Re: Sterbehilfe

Beitragvon heart.of.lilith » Mi 24. Jul 2013, 16:31

Distanzobjekt hat geschrieben:Moral ist im Wandel, was heute gut ist morgen böse.

Zum Glück auch umgekehrt.

Sterbehilfe ist ein fieses Thema. Ich persönlich finde, dass man durchaus das Recht hat, sich Hilfe zu holen, wenn einem der Suizid aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist.
Dies sollte sich jedoch auf unheilbare Erkrankungen beschränken.
Das oben genannte Bild der vergewaltigten Frau wäre für mich kein Grund, da dort m.E. zuerst einmal eine Psychotherapie anzuraten wäre. Aus einer temporären Belastungsstörung heraus, ist der Tod keine Option, da man in dieser Lage oft irrational und /oder gefühlsbetont entscheiden würde.
Bei einem Koma mit Hirnschädigung schon.
Um Angehörige und Freunde nicht zu sehr zu belasten, kann nur jedem raten, sich über die wichtigsten drei Möglichkeiten vorab zu informieren:
Patientenverfügung
Vorsorgevollmacht
Betreuungsverfügung
»Ist das Kunst oder kann das weg?«

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Re: Sterbehilfe

Beitragvon Distanzobjekt » Mi 24. Jul 2013, 20:34

heart.of.lilith hat geschrieben:Zum Glück auch umgekehrt.
Nur wann kann man dann eindeutig von einem richtig oder falsch sprechen?

Hinzu kommt, dass der Tod etwas A.) natürliches ist und B.) im Leben unvermeidbar denn das Leben ist 100% tödlich. Wie viel Ego schwingt da also mit, nein zu sagen, wenn man selbst nicht oder sekundär betroffen ist? Sind die Regelungen die da gerne geschrieben stehen, die ultimative Antwort oder doch viel mehr die Abnahme der Verantwortung und damit die Entlastung der eigenen Seele? Ist es schlecht oder gut wenn Dritte, die nicht involviert sind einen die Entscheidungen abnehmen? Es gibt Dinge, die müssen nun einmal akzeptiert werden auch wenn sich alles in einem dagegen sträubt.
1. Kunst und Schaffenskraft lässt sich genauso leicht kritisieren, wie es für den Kritiker schwer ist besseres zu leisten.
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Re: Sterbehilfe

Beitragvon schneewittchen » Do 25. Jul 2013, 09:27

Vielen Dank für eure Gedanken, die ihr mit mir teilt.
Die richtige Entscheidung zu treffen, ist zwar dadurch kein bisschen leichter geworden, aber meine innere Zerrissenheit fühlt sich nicht mehr ganz so schlimm an...
Vielen Dank!!!
Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

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Re: Sterbehilfe

Beitragvon Jezebel » Fr 26. Jul 2013, 21:44

heart.of.lilith hat geschrieben:
Distanzobjekt hat geschrieben:

Das oben genannte Bild der vergewaltigten Frau wäre für mich kein Grund, da dort m.E. zuerst einmal eine Psychotherapie anzuraten wäre. Aus einer temporären Belastungsstörung heraus, ist der Tod keine Option, da man in dieser Lage oft irrational und /oder gefühlsbetont entscheiden würde.

In den meisten Fällen würde ich das auch erst mal so sagen. Aber es gibt traumatische Erlebnisse, die ein ganzes Leben massiv belastend sein können, darunter auch eine Vergewaltigung. So etwas kann lange dauern, bis man sich davon erholt, vielleicht aber auch nie.

Der Tod sollte aber wirklich die letzte "Lösung" sein, wenn gar nichts mehr geht.

Mein Mann ist durch seine Kindheit sehr angegriffen. Er ist in den 60er Jahren als Waisenkind ins Heim gekommen, weil seine Eltern verstorben sind. Dort ist er schwer mißhandelt und gedemütigt worden. Noch heute hat er schlimme Albträume. Umbringen würde er sich dennoch nicht. Er ist ein Kämpfer, liebt das Leben, die Musik der
er hört und die Natur.

Aber nun sind wir schon mehr beim Thema Selbstmord. Allerdings ist Sterbehilfe ja im Grunde so etwas nur durch andere ausgeführt, weil man selbst nicht dazu in der Lage ist.

Steffi
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Re: Sterbehilfe

Beitragvon Steffi » Do 13. Mär 2014, 19:08

Also ich habe mal den tread gelesen und muss dazu sagen das sich da die Geister scheiden.

Ich geb euch mal ein Beispiel. Ich habe mit meinen neuen Freund den Film und Morgen mittag bin ich Tod gesehn.
Darin geht es um ein Mädchen was Mukizividose ( weiß nich genau wie das geschrieben wird ) hat und kaum noch Luft kriegt. Die Ärzte haben ihr gesagt das die Werte so schlecht sind das sie nicht mal eine neue Lunge kriegen kann. Aus dem Grund entscheidet sie sich nach ich glaube Schwerin zu fahren und einen Coktail zu trinken und dahin zu dämmern. Mein Freund sagte das er es einfach nur heftig fand den Film. Ich fand in sehr krass da die Mutter von ihr es erst nicht wollte und sich damit nicht abfinden konnte. Am Ende hat die Familie ihr bis zu letzt beigestanden da es das einzigste war was man für sie noch tun konnte ehe sie elendig erstickt wäre. Ich finde man muss es aus der sicht der Person und aus der Sicht der Verwandten sehn. Mein Großvater hatte vorletztes Jahr noch COPD eine Herz Lungen Krankheit wo man wenn man nicht beatmet wird bis zuletzt ebenso erstickt. Er war 2 Monate am Beatmungsgerät und ist mit einen röcheln eingeschlafen. Ich finde sowas hätte man ihm mit solch einer methode sicher ersparn können.


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