Schicksal

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Schneeflocke
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Schicksal

Beitragvon Schneeflocke » Do 28. Feb 2013, 21:49

Glaubt ihr an das Schicksal? Wie etwa die "unfehlbare Treffsicherheit", immer die schlechteste aller Möglichkeiten zu wählen/zu bekommen? Ich meine diese Schicksalssache ist ja ganz spannend, aber irgendwie auch unglaublich.
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Kyonshī
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Re: Schicksal

Beitragvon Kyonshī » Do 28. Feb 2013, 22:34

Da es zu viele Menschen gäbe, denen das Schicksal extrem übel mitgespielt hätte, weigere ich mich, daran zu glauben.
Wahrscheinlich gibt es einen Haufen Leute, denen der Zufall zu kalt und sachlich ist und die Schicksal als romantisch finden, aber zur Hölle, das Schicksal müsste ja gesteuert werden von irgendeiner Macht und die wäre dann so im Total betrachtet verdammt sadistisch. Und ich will von keinem Sadisten gesteuert werden.
Außerdem bedeutet Schicksal Unfreiheit, weil alles vorbestimmt ist.
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Re: Schicksal

Beitragvon Distanzobjekt » Fr 1. Mär 2013, 07:02

Zunächst müsste man Schicksal definieren.

Schicksal wird als das Bezeichnet, was außerhalb der persönlichen Handlungsgewalt liegt oder als solche erscheint. Die Verkettungen an Ereignissen und Faktoren die dann eintreten sind das Schicksal. Ihm ein Bewusstsein zuzusprechen erscheint mir etwas weit hergeholt aber, diese Entscheidung oder Glaube steht ein jedem frei.

Ist das Schicksal gnädig zeigt man sich Dankbar und spricht sie Gott zu, ist das Schicksal ungnädig so spricht man dem auch Gott zu und fügt an, dass Gottes Wege unergründlich sei.

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Re: Schicksal

Beitragvon Identitätsbehaupter » Fr 1. Mär 2013, 07:40

Also ich muss da immer gleich an die Ödipuss-Geschichte denken..
Kennt ihr den Mythos? - Einem König wird vom Orakel gesagt, dass sein Sohn ihn einst töten wird und die Frau des Königs, also seine Mutter, heiraten wird. Als die Frau des Königs dann einen Jungen gebehrt, wird er, um das Schicksal auszutricksen, verstoßen.
Er wächst also irgendwo auf, ohne von seiner Herkunft zu wissen. Eines Tages bekommt er vom Chor (Auch eine Art Orakel) gesagt, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten wird- Geschockt davon verlässt er die Familie, bei der er aufgewachsen ist, um dies zu verhindern (weil er denkt es seien seine leiblichen Eltern). Dann kommt er durch Zufall mit seinen leiblichen Eltern in Kontakt, von denen er nichts weiß- und (ich greife in der Interpretation vor) es kommt, wie es kommen muss: Er verliebt sich in seine Mutter und um sie zu heiraten tötet er seinen Vater.
Kausalität? *gg*
Es gibt mehrere Interpretationen:
1. Man kann dem Schicksal nicht entrinnen.
2. Der unstillbare Drang des Individuums erst, frei zu agieren, nicht vom Schicksal bestimmt zu sein, macht ihn erst unfrei und determiniert.
3. Das Thomas-Theorem: "If men define situations as real, they are real in their consequences" - Übers: Wenn die Menschen Situationen als wirklich definieren, sind sie in ihren Konsequenzen wirklich.
Also in Bezug auf Ödipuss: Dadurch dass der König die Voraussage des Orakels als tatsächlich, wirklichen Sachverhalt definiert, handelt er so, dass die Konsequenzen seiner Handlungen in der Erfüllung der Voraussage münden bzw. die Voraussage wahr machen. (Gutes Bsp. ist auch Romeo und Julia: Dadurch, dass er die Situation fälschlicherweise als wahr definiert, dass Julia tot ist, ist die Konsequenz seiner dem angepassten Handlung sich selbst zu töten, dass Julia am Ende tatsächlich tot ist,)

Also, sind womöglich wir selbst es, die sich das Schicksal machen?

Und ich will von keinem Sadisten gesteuert werden.

Und was ist die Alternative? Ein gütiger Gott?
Denk' einmal darüber nach, was das Leben ohne Leid wäre.
Ein Trauerspiel.
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

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Re: Schicksal

Beitragvon Schneeflocke » Fr 1. Mär 2013, 14:42

Offtopic:
Kyonshī hat geschrieben:Wahrscheinlich gibt es einen Haufen Leute, denen der Zufall zu kalt und sachlich ist und die Schicksal als romantisch finden,

Mit sachlich kann ich auf jedenfall mehr anfangen, als mit romantisch. *gg*
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Re: Schicksal

Beitragvon Kyonshī » Fr 1. Mär 2013, 18:43

Identitätsbehaupter hat geschrieben:Und was ist die Alternative? Ein gütiger Gott?
Denk' einmal darüber nach, was das Leben ohne Leid wäre.
Ein Trauerspiel.

Nein, die Alternative ist der Zufall. Wrong Time, wrong Place.
Es ist doch so auch viel einfacher, aufzustehen und weiterzukämpfen.
Wobei ich das auch so sehe, dass man in den schlechten Zeiten lernt, die schönen Dinge wirklich wahrzunehmen.
Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass ohne beide Seiten überhaupt keine Existenz möglich wäre. Zumindest keine mit einem Bewusstsein.
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Re: Schicksal

Beitragvon Schneeflocke » Fr 1. Mär 2013, 19:23

Kyonshi hat geschrieben:Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass ohne beide Seiten überhaupt keine Existenz möglich wäre. Zumindest keine mit einem Bewusstsein.

Eben. Wir ähneln uns eh schon zu 98% da können die letzten 2% uns doch wenigstens, unterscheidbar voneinander machen, und das geht nur mithilfe von "Schicksalsschlägen", finde ich.

Himmel, nahe dran am Offtopic.
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Re: Schicksal

Beitragvon Identitätsbehaupter » Sa 2. Mär 2013, 11:00

Schneeflocke hat geschrieben:
Kyonshi hat geschrieben:Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass ohne beide Seiten überhaupt keine Existenz möglich wäre. Zumindest keine mit einem Bewusstsein.

Eben. Wir ähneln uns eh schon zu 98% da können die letzten 2% uns doch wenigstens, unterscheidbar voneinander machen, und das geht nur mithilfe von "Schicksalsschlägen", finde ich.

Himmel, nahe dran am Offtopic.

@ Kyonshi: Ich meine etwas Ähnliches. @Schneeflocke: Aber nicht so..
Es verhält sich, einfach ausgedrückt: Wie mit Schwarz und Weiß. Würden wir über die Vergleichsmöglichkeit nicht verfügen und es gäbe kein Weiß, so würde für unsere Wahrnehmung auch kein Schwarz existieren.
Oder in der Luhmann'schen Konnotation: S existiert nur dann, wenn es sich von seiner Umwelt (in diesem Fall seinem Gegensatz) unterscheidet.
Daher gilt immer der Grundsatz: Draw a distinction! (Triff eine Unterscheidung)
Fazit: Ohne Leid, kein Glück.
Außerdem ist Leid der unübertroffene Indikator für die Entwicklung des Geistes und für Erkenntnis.- Denn, man muss erst an einen Widerstand gelangen um über etwas zu reflektieren (;

Ähm.. Diese Ausführung hatte allerdings nichts mit dem Schicksals-Thema zu tun. Ich habe mich einfach - aus dem Kontext bewegt.- Es war nur diese eine Alternative des gütigen Gottes - ja. Zufall wäre auch eine Alternative- das war unglücklich formuliert.

Außerdem gibt es neben dem NOCH eine Alternative.
Ist es nicht auch denkbar, dass das Schicksal nicht personalisiert ist und kein Bewusstsein hat, wie wir es mit dem Gott-Begriff so gerne suggerieren wollen? Das Schicksal als -ismus. Fatalismus. Ein Mechanismus, der wie die Naturgesetze greift.
Das wäre auch denkbar.
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Re: Schicksal

Beitragvon Distanzobjekt » Di 5. Mär 2013, 13:54

ID hat geschrieben:Ist es nicht auch denkbar, dass das Schicksal nicht personalisiert ist und kein Bewusstsein hat, wie wir es mit dem Gott-Begriff so gerne suggerieren wollen? Das Schicksal als -ismus. Fatalismus. Ein Mechanismus, der wie die Naturgesetze greift.
Das wäre auch denkbar.
Zuspruch. Ähnlichkeiten sind auch zu finden im Thread Gibt es einen Gott?

Beitrag vom 04.03.2013 rekonstruiert.
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