Individualismus

Benutzeravatar
Identitätsbehaupter
Beiträge: 330
Registriert: Di 2. Aug 2011, 17:08

Individualismus

Beitragvon Identitätsbehaupter » Do 4. Aug 2011, 22:09

Da wir uns in einer Szene bewegen, die scheinbar recht viel Wert auf den Individualismus legt, halte ich es für spannend dieses Thema einmal hier zu untersuchen.
Was bedeutet für euch Individualismus?
Ist es der menschliche Kern, dem menschlichen Streben entsprechend individuell sein zu wollen?
Ist der moderne Mensch individuell?
In welchem Verhältnis steht Individualismus zur Freiheit?
Bist Du individuell?
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

[Hamlet] Tritt in die Rüstung, spaltet mit dem Beil die Köpfe von Marx Lenin Mao. Schnee. Eiszeit. "

Heiner Müller - Die Hamletmaschine

Benutzeravatar
Kara
Beiträge: 408
Registriert: Do 28. Jul 2011, 16:27

Re: Individualismus

Beitragvon Kara » Mo 8. Aug 2011, 07:18

Ich frage mich manchmal, was Individualität für "uns Gothics" bedeutet.
Einerseits sehen viele "schwarze Outfits" sehr fantasievoll aus und bilden ganz klar einen Unterschied zum Mainstream, gleichzeitig sind sie aber stark durch die Szene vorgeprägt, fast schon vorgegeben.

Wir erscheinen individuell, sind in der Szene selbst aber stark angepasst.
Kleidung prägt auch die Zugehörigkeit.
Parallel dazu laufen i.d.R. Musikgeschmack und Lebenseinstellung.

Weiterhin sind der Individualität denke ich natürliche Grenzen gesetzt:
Einerseits sind wir alle Menschen, haben fast identisches Erbgut, leben im selben Zeitalter, im selben Kulturkreis, sprechen dieselbe Sprache usw.
Andererseits ist kein Mensch wie der andere.

Was bedeutet in diesen Grenzen nun Individualität ?

Auf der Suche nach Gleichgesinnten differenziert man zwischen "ähnlich" und "nicht so ähnlich".
Beziehen wir unsere Individualität nun auf "Unseresgleichen" oder "die Anderen" ?

Ich denke, jeder Mensch sollte versuchen, zu sich selbst zu finden, zu seinen Ansichten und Gefühlen stehen und diese auch "repräsentieren" in Wort, Tat und Erscheinungsbild.

Ist das Individualität ?

Benutzeravatar
Identitätsbehaupter
Beiträge: 330
Registriert: Di 2. Aug 2011, 17:08

Re: Individualismus

Beitragvon Identitätsbehaupter » Di 18. Okt 2011, 19:04

Nun man könnte die Individualität auch über die Gruppenzugehörigkeit.. sozusagen, so paradox es auch klingen mag: Das Individuelle über das Kollektiv definieren. Das heißt, jeder Mensch ist teil von sozialen Gruppen. Bspw. könnte man mich in die Kategorien Student, Fotograf, User im BE Forum etc. stecken. Das kann man ewig weiter führen. Und die Überschneidung all dieser "Kreise" ist meine Individualität.. Da es vermutlich keinen anderen Menschen gibt der genau die gleichen sozialen Kreise teilt, wie ich. Zumindest ist das die Definition von Individuum in den Sozialwissenschaften.

Ich stimme Dir voll zu, wenn Du sagst, dass wir nur in einem bestimmten Rahmen Individuell sein können. Letzten Endes gibt es auch Theoretiker, die der Meinung sind, dass uns ausschließlich der Einfluss unserer Umgebung ausmacht und sonst nichts. Das sog. "Individuum" ist dann nichts weiter als das Produkt seiner Außenwelt.. Es gäbe demnach keinen eigenen, unangreifbaren Kern der Persönlichkeit.
Dagegen widerstrebt in uns natürlich alles. Aber letztlich gibt es auch keine guten Gegenargumente.

Zu Gothic: Szenengänger sind so individuell, sie tragen Uniform.. ;)
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

[Hamlet] Tritt in die Rüstung, spaltet mit dem Beil die Köpfe von Marx Lenin Mao. Schnee. Eiszeit. "

Heiner Müller - Die Hamletmaschine

Riku

Re: Individualismus

Beitragvon Riku » Di 18. Okt 2011, 19:35

Offtopic:
@Identitätsbehaupter: Wo warst du so lange?

Benutzeravatar
Identitätsbehaupter
Beiträge: 330
Registriert: Di 2. Aug 2011, 17:08

Re: Individualismus

Beitragvon Identitätsbehaupter » Di 18. Okt 2011, 19:51

Offtopic:
Ich war doch gar nicht weg (; .. Ich lese immer mal mit. Nur leider fehlt mir momentan die Zeit und die Motivation um ständig zu schreiben. Bin Abends meistens froh wenn ich meine Ruhe habe, über den Tag habe ich meistens schon genügend Interaktion mit anderen Menschen "genossen". Also wunder Dich bitte nicht..
Aber lieb, dass Du fragst, ehrlich (:
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

[Hamlet] Tritt in die Rüstung, spaltet mit dem Beil die Köpfe von Marx Lenin Mao. Schnee. Eiszeit. "

Heiner Müller - Die Hamletmaschine

Benutzeravatar
Kara
Beiträge: 408
Registriert: Do 28. Jul 2011, 16:27

Re: Individualismus

Beitragvon Kara » Mi 19. Okt 2011, 10:46

Identitätsbehaupter hat geschrieben:Nun man könnte die Individualität auch über die Gruppenzugehörigkeit(...) definieren. Das heißt, jeder Mensch ist teil von sozialen Gruppen.(...)Und die Überschneidung all dieser "Kreise" ist meine Individualität.(...) Zumindest ist das die Definition von Individuum in den Sozialwissenschaften.


Das ist toll ! Eine sehr gute Erklärung !!!

Zu welchen Anteilen Gene und Umwelt die Persönlichkeit prägen, ist auch eine sehr interessante Frage !
Mir persönlich stellt sich damit auch die Frage nach der Reichweite des Einflusses von Erziehung.
Denn es ist nicht leicht, Kinder zu erziehen... Denn neben dem "Wie mache ich es richtig ?" frage ich mich: "Wie weit reicht mein erzieherischer Einfluss ? Oder sind die Kinder auch teilweise einfach das, was sie eben sind ?"

Darüber hinaus glaube ich daran, dass die Seele in gewissem Sinne im Körper "wohnt" und diesen nach dem Tod wieder verlässt. Denn ich denke einfach, Seele ist mehr als Materie (=Körper, Gehirn, Nerven, Moleküle, genetische oder neuronale Information...) plus Energie (Nervensignale bzw. deren Weiterleitung, Spannungspotentiale,...).
Diese Vorstellung ergänzt die Zutaten Gene plus Umwelt. D.h. eigentlich habe sogar Schwierigkeiten, das alles miteinander in Einklang zu bringen.

Allerdings sind das ja im Prinzip alles Modellvorstellungen. Vielleicht liegt die "Wahrheit" irgendwo dazwischen.
(Ebenso sind die Extreme "Freier Wille" / "Determinismus" sicherlich nur Teilaspekte der "Wirklichkeit")

Benutzeravatar
Gattina
Beiträge: 651
Registriert: So 25. Dez 2011, 09:33

Re: Individualismus

Beitragvon Gattina » Mi 25. Jan 2012, 02:03

Kleider machen Leute...das spuckt mir momentan durch den Kopf...Kleidung hat für viele was mit Individualtät zu tun.
Man kann z.B. extrovertierte Personen an der Kleidung erkennen, sofern diese gesehen werden wollen und wollen das man gewisse Dinge assoziert...alles unterliegt gewissen gesellschaftlichen Normen...man kann also durch Kleidung Rückschlüsse auf die Person führen.

Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich mir schwarze Leute so vorstellen, die absichtlich schwarze Uniform tragen um sich der gesellschaftlichen Kleidungs-Norm zu entziehen, denen es auf die innere Induvidualität ankommt.
Aber Vorstellung und Realität, das ist immer sone Sache.
Über die schwarze Kleidung stellt die Gesellschaft eh ganz andere Assoziationen an...weiß ja jeder. ^^

Erfahrungsgemäß sind normale Leute oft individueller als beschränkte schwarze Leute die sich in ein gemachtes Nest setzen um etwas darzustellen was sie nicht sind.

Insgesamt gibt es für mich eine bestimmte Individualität die ich vermisse, ich weiß nicht Recht wie ich es in Worte packen kann.
Wenn man sich die Welt als Ozean vorstellen würde:

Es gibt viele graue Fische die dem Strom folgen...unter jenen sind wenige die hervorstechen...einige die bunt sind.
Sie schwimmen mit der Strömung, oder dagegen oder ganz woanders hin.
Ich glaube auch das die Seele einen gewissen Teil der Individualität ausmacht, andererseits sind wir alle Opfer von Handlungen und deren Folgen. Äussere Einflüsse prägen einen Charakter doch sehr.
Da frag ich mich, wie entstehen solche bunten Fische?


Zurück zu „Sonstiges“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast