Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

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Distanzobjekt
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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Distanzobjekt » So 21. Dez 2014, 00:26

Ich habe da wieder etwas viele Fragen an Dich:
Du sagst,dass man der Angst mit Rationalität und Objektivität begegnen müsse,aber schliesst sie das nicht aus ?
Keineswegs. Angst ist dahingehend subjektiv, wie man meint das etwas eintrifft oder eintreffen könnte, was man nicht bewerkstelligen kann. Also Erwartungen und Erwartungserwartungen im künstlich konstruierten Rahmen ohne realen Bezug am Ist Zustand. Der Ist Zustand mag zwar Indizien aufweisen die eine Angst begünstigen aber an Hand von Indizien etwas zu konstruieren ist irrational.

Ich meine,wenn die Menschen Angst haben,was ja ein Urinstinkt ist,können sie dann noch logisch denken ?
Logisches Denkvermögen ist kein Garant dafür, dass man Angst hat. Auch logische oder rationale Menschen die z.B. der Soziologie oder der Psychologie bewandert sind, können unter Angstzuständen leiden. Angst wirklich zu kontrollieren ist etwas, dass über das Verständnis der Geisteswissenschaft hinaus geht, dazu bedarf es nicht das begreifen sondern das verinnerlichen aber, dass ist ein gänzlich anderes Thema.

Handelt man bei Angst nicht dann auch spontan und unbedacht,weil es ein Instinkt ist ?
Das kommt auf den Tempus an. Ist es ein Zustand der sich binnen Millisekunden einspielt, bleibt nicht viel Zeit zum nachdenken, man handelt wie der Reflex oder Instinkt meint, dass es richtig ist. Ist es ein längere Prozess, so liegt dem Umstand keine Spontanität zugrunde - vielmehr dann Ignoranz auf Grund von Verdrängung aber, auch das ist ein anderes Thema.

Kuckt man mal,wieviele Leute in irgendwelche Selbsthilfe-Gruppen gehen um die Angst im Schach zu halten,und immer wieder werden sie rückfällig.Und wenn es um Luhmanns Theorie geht,sagst Du ja auch es sollten die nicht alle verstehen.Aber ist es denn gut,das Wissen dann doch nur Privilegierten vorzubehalten ?
In Selbsthilfegruppen zu gehen bedeutet einen schwachen Charakter zu haben weil man es aus eigener Kraft nicht schafft. Das ist zunächst nichts schlimmes denn man hat zumindest so viel Kraft es in einer Selbsthilfegruppe zu versuchen. Alleine die Tatsache, dass man Rückfällig werden könnte zeigt dem rationalen Kopf, dass der Betroffene es nicht wirklich ernst mit sich und dem Problem meint denn sonst würde das schlicht weg nicht passieren. Hier wird sich sicher der eine oder andere Protest auftun doch bleibe ich dabei - Selbstmitleid ist hier das größte Problem was dazu führt in irgendeiner Form Rückfällig zu werden. Wer keine Härte gegen seine Probleme zeigt, wird sie nicht besiegen, ganz einfach.

Und wenn es um Luhmanns Theorie geht,sagst Du ja auch es sollten die nicht alle verstehen.Aber ist es denn gut,das Wissen dann doch nur Privilegierten vorzubehalten ?
Es ist dahingehend gut wie eben kein Machtkampf entsteht. Man muss sich die Frage stellen, inwieweit es wirklich schlimm ist, dass es eine herrschende und eine nicht-herrschende Klasse gibt. Wenn die nicht-herrschende Klasse durch die herrschende nicht unterdrückt wird, welchen Grund sollte die nicht-herrschende dann haben sich aufzuregen? Es liegt in der Natur der Dinge, dass es Leitung im Sinne von Alpha Wesen und Weisungsempfänger im untergeordneten Sinne gibt. Das ist soweit erst mal kein Problem aber es kann ein Problem werden wenn alles und jeder dagegen rebelliert ohne sich die Frage zu stellen, ob sie in leitender Position es wirklich besser machen würden. Viele die danach schreien, würden es im großen Stil ruinieren und mehr Schaden anrichten als die welche geübt leiten. Auch Leitung kann etwas trostloses und einsames sein, der Geleitetet sollte nicht in der Annahme gehen, seine Postion wäre eine gänzlich schlechte, das wäre vermessen.

Klar hast Du Recht,dass ein Umbruch stattfinden könne,so eine Art Machtkampf der Egos.Aber was ist,wenn die Menschen aufgrund der Bildung einen Diplomatischen Weg wählen würden ?Könnte die Systemtheorie nicht dann viel gutes erreichen ?
Diplomatie oder auch Demokratie bedeutet, dass es niemanden zu 100% recht machen kann. Bester Beweis ist die Politik - Parteien versprechen immer mit folgenden Worten "Unser Ziel ist es XYZ zu erreichen" "Erreicht werden soll XYZ" "Wir werden nicht eher Ruhen bis XYZ". Das bedeutet also, dass man versucht ein Ziel zu erreichen mit dem Wissen, dass es nicht erreicht werden kann, weil man im Rahmen der Demokratie oder auch Diplomatie eine Kompromisslösung eingehen muss. Dies ist auch der Grund warum die Menschen das Vertrauen in die Politik verloren haben, sie haben die Tatsache an und für sich nicht verstanden wie das Prinzip der Diplomatie oder der Demokratie funktioniert - man erwartet mehr als das man bekommt, dabei bekommt man bereits alles was möglich ist im Sinne des Systems.

Die Systemtheorie kann vieles erreichen aber, solange wie das menschliche Ego auf eigene Vorteile bedacht ist, kann die Systemtheorie auch negativ instrumentalisiert werden weswegen ich positiv angetan bin, wenn die Welt von dem Thema im breiten Rahmen die Finger lässt. Ein MG ist kein Spielzeug.
1. Kunst und Schaffenskraft lässt sich genauso leicht kritisieren, wie es für den Kritiker schwer ist besseres zu leisten.
2. Nur wer Toleranz Grenzen setzt, weiß Freiheit zu schätzen.
3. Nur wer Achtung sät wird Achtung ernten.
4. Den Kopf zum denken benutzen ist keine Straftat.

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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Jack Harkness » So 21. Dez 2014, 02:26

Nun,dann wird die Luhmann-Theorie wohl für immer in irgendwelchen Schubladen bleiben,denn die Menschen werden nie aufhören eigennützlich zu denken und handeln.Egoismus ist ja auch ein Urinstinkt,und den besiegen sie nicht so einfach.Bis heute schaffen sie es ja nicht ihre Ängste alleine zu kontrollieren,wie sollen sie dann ihre Selbstsucht ablegen ?Aber es ist auch irgendwie schade,dass dadurch Möglichkeiten nicht genutzt werden können,weil die Menschen sich selber im Weg stehen.Und gefährliche Dinge(MG's)haben sie ja auch genug,da braucht die Wissenschaft auch nicht noch verstärkend(mitspielen).

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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Distanzobjekt » So 21. Dez 2014, 11:25

Es landet nicht in den Schubladen, es gibt tausende jeden Tag die sich mit Brown, Luhmann und vielen anderen Soziologen beschäftigen bei dem ein fließender Übergang zu Marx und Kant stattfindet die infolge immer weniger direkt damit zu tun haben aber maßgeblich berücksichtigt werden. Dieses Gebiet ist einfach eine Lebensaufgabe, daher ist es völlig normal, dass es nicht alle wahrnehmen denn es ist Wissenschaft.
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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Jack Harkness » So 21. Dez 2014, 17:16

Mit den Tausenden die sich damit beschäftigen,meinst Du Professoren und Studenten ? Das erklärt dann auch,warum kaum jemand diese Theorie kennt.Im Fernsehen oder so wird ja kaum über solche Dinge berichtet,meist nur über lauter unnützes Zeug.

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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Distanzobjekt » Di 23. Dez 2014, 21:05

Wenn die Menschen nicht danach suchen, wie ich sagte, kann man die Wissenschaft nicht dafür verantwortlich machen denn es ist kein Geheimnis. Viele Menschen die dann in die Erziehung gehen, wenden die Systemhandlung an. Es wird also genutzt.
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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Jack Harkness » Di 23. Dez 2014, 21:43

Vielleicht suchen sie auch nicht danach,weil sie heutzutage keine Zeit mehr haben sich mit Wissenschaften zu beschäftigen.Das ist ja sehr Zeitaufwändig,oder sie sind zu sehr mit ihrem Berufs und Privatleben beschäftigt.Oder sie versuchen es und wenn sie merken,dass sie es nicht verstehen,verlieren sie das Interesse daran.Du sagst Erzieher nutzen die Theorie,haben sie die dann in der Ausbildung oder Berufsschule ?Es ist wohl so,dass die Leute auch nicht wüssten nach was oder wem sie suchen müssen.Weisst du was Luhmann vorher beruflich gemacht hat,das würde mich interessieren ?

Ich habe noch 3 Videos von Niklas Luhmann im Internet gefunden,die werde ich mir heute mal ansehen.Bin gespannt,in einem äussert er sich auch über unsere Nachrichten.

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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Distanzobjekt » Mi 24. Dez 2014, 12:55

Luhmanns Biographie ist mir nicht gänzlich geläufig aber er wurde Ende der zwanziger als Sohn einer Brauereifamilie geboren und im zweiten Weltkrieg eingezogen. Vor knapp acht Jahren fand man heraus, dass er der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei angehörte, dies war jedoch vor dem Kriegsausbruch in seinen jüngsten Jahren. Zu dieser Zeit war ganz Deutschland im Umbruch. Nach bzw. während des Krieges jedoch erkannte er, dass er einen Fehler gemacht hatte und ging danach direkt in die Wissenschaft wo er bis zu seinem Tode blieb. Weitere berufliche Abschweifungen sind mir im Moment nicht bekannt.

Vielleicht suchen sie auch nicht danach,weil sie heutzutage keine Zeit mehr haben sich mit Wissenschaften zu beschäftigen.
Man muss nicht in die Wissenschaft um zu begreifen, wie unsere Welt funktioniert. Analytisches Verständnis reicht da völlig aus. Wie er schon die Unterscheidung zwischen Skat, Bahn fahren und Familie aufzeigte, leben wir in Systemen und man kann sie auch ganz leicht erkennen, wenn man lernt zu differenzieren.

Du sagst Erzieher nutzen die Theorie,haben sie die dann in der Ausbildung oder Berufsschule ?
Sie lernen analytisches Denken für die Pädagogik, der eine oder andere kommt also an Unterscheidungstheorien und damit an der Systemtheorie nach Brown oder Luhmann nicht vorbei.

Es ist wohl so,dass die Leute auch nicht wüssten nach was oder wem sie suchen müssen.
Das ist richtig aber alleine wenn man sich von Haus aus die Frage stellt, was denn los sei mit der Welt, warum sie ist wie sie ist, warum die einen so ticken und die anderen so, hat man bereits grundlegende Fragen aufgeworfen und ab da gilt es ein wenig zu forschen. Zwei bis drei Tage intensives suchen im Internet und man kommt bei der Psychologie und der Soziologie an. Die Menschen stellen sich einfach nicht richtigen Fragen, dass ist im Grunde alles.
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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Jack Harkness » Mi 24. Dez 2014, 13:06

Danke für Deine Erklärung,dass Luhmann tot ist,wusste ich nicht das wäre dann mehr ein Grund ihn zu kennen.Auch dass er seinen Fehler wegen der Partei einsah,das ehrt ihn.Heute machen die Menschen soviele Fehler und sehen es nicht ein.Ich schaue mir die Videos mal an,ich möchte auch seine Meinung zu den anderen Dingen wissen.In einem Video sagt er auch was zu unseren Nachrichten,da bin ich gespannt.Nun Fragen zu stellen ist doch eigendlich normal,wenn die Menschen es nicht tun,finde ich das seltsam.Denn es gibt doch noch einen Urinstinkt:Die Neugier oder ist sie eine Neuzeiterscheinung ?

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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Distanzobjekt » Mi 24. Dez 2014, 18:50

Nein, die Neugierde oder besser gesagt, der Wissensdurst, liegt in der Natur der Menschen. Wäre es anders, hätte der Mensch nie angefangen effektiv zu jagen, anzubauen und zu bauen etc.

Das Fragen stellen ist sicher nicht verkehrt und liegt in der Natur des Menschen aber allein die Tatsache, dass der Mensch diese Fähigkeiten hat ist kein Garant dafür, dass er auch die für den Augenblick notwendigen richtigen Fragen stellt.
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Re: Luhmanns Systemtheorie in Betrachtung

Beitragvon Jack Harkness » Mi 24. Dez 2014, 19:30

Nun,vielleicht kann der Mensch ja auch nicht wissen wann er welche Fragen stellen muss.Er bewertet doch je nach Erfahrung,eigener Meinung und Ansichten auch Situationen anders.Klar hätte er sich nie weiterentwickelt,wenn er keine Fragen gehabt hätte.Aber ist diese Weiterentwicklung wirklich immer gut ?Wenn man sich die Welt heute mal ansieht,ist doch ein Grossteil von ihr Dank der Weiterentwicklung zerstört.Wäre es vielleicht besser gewesen,wenn die Weiterentwicklung nicht so weit voran geschritten wäre ?


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